Totale Sonnenfinsternis am 1. August 2008

Bericht von Heinz Scsibrany
 
Zur Beobachtung dieser Sonnenfinsternis habe ich mich einer Reisegruppe nach China angeschlossen. Für China als Beobachtungsort sprach die Wetterstatistik, die in der Wüste Gobi mehr als 70 % Chance auf klaren Himmel versprach, allerdings sollte die totale Phase der Finsternis nur noch maximal 1 Minute 50 Sekunden dauern (im Gegesatz zu 2 Minuten 17 Sekunden bei Novosibirsk).
Gegen China spricht (aus heutiger Sicht) die "Paranoia" der chinesischen Führung die z.B. die Verwendung von GPS-Geräten untersagt (somit sind auch Geräte zur Fahrzeug Navigation verboten!!) und die offenbar aus Angst vor Ausländern diese ständig überwachen läßt - vorallem während einer Sonnenfinsternis (vielleicht nützen die Ausländer die 2 Minuten Dunkelheit für "subversive" Tätigkeiten ...).
Allerdings von diesen Schwierigkeiten ahnten wir bei Beginn der Reiseplanung noch nichts ...

Die Reise ging zunächst via Amsterdam nach Chengdu und dann weiter nach Lanzhou und schließlich nach Dunhuang im Nordwesten Chinas. Von Dunhuang ging es dann per Bus durch eine Wüstenlandschaft nach Jiayuguan einer großen Stadt am Ende der chinesischen Mauer und bereits am Rand der Totalitätszone gelegen.
 

Ursprünglich beabsichtigte unsere Reisegruppe die Finsternis irgendwo in der Wüste, möglichst nahe an der Zentrallinie zu beobachten. Aber 5 Tage vor der Abreise aus Europa beschloß die chinesische Führung plötzlich, daß die ausländischen Reisegruppen die Finsternis nur an 2 verschiedenen Orten beobachten durften, wo zu diesem Zweck eigene abgeriegelte Camps errichtet wurden. Da eines dieser Camps ziemlich weit von der Zentrallinie entfernt lag, was einen Verlust von ca. 30 Sekunden Totalitätsdauer bedeuted hätte, kam für uns nur das Camp (Gobi Eclipse Camp in der Karte oben) nahe der Zentrallinie in Frage, allerdings zum stolzen Eintrittspreis von 60 € pro Person. Für diesen Preis sollten dann Sonnenschirme Tische und Sesseln sowie Trinkwasser und WCs für die Finsternisbeobachter zur Verfügung stehen.

Was dann tatsächlich geboten wurde ist in dem Bild unten zu sehen:

(Dreibein-Hocker sowie einige Tische unter einem Kunstoffnetz als Sonnenschutz - gerade ausreichend für 50 Beobachter, für die angekündigten 300 Beobachter bei weitem zu wenig). Immerhin gab es Trinkwasser, Melonen und WCs. Wer sich da wohl auf Kosten der Finsternisbeobachter bereichert hat - ein chinescher Politiker oder der Betreiber des Camps "Eclipse-City" oder beide ?

Aufgrund unserer im Folgenden beschriebenen Erfahrungen mit "Eclipse-City" muß ich jedem Finsternisbeobachter raten, um diesen Betreiber von Sonnenfinsternis-Camps einen weiten Bogen zu machen:

Als wir im Camp ankamen und uns auf einem Hügel positionierten, kam plötzlich ein Chinese gerannt, der uns auf Englisch beschimpfte und zum sofortigen verlassen des Hügels aufforderte - schreiend und beleidigend. Als wir völlig überrascht über diesen "netten Empfang" nicht sofort reagierten wurden wir sofort mit der Polizei bedroht.
Unter der kleinen aufgebauten Plane wurden wir wieder angeschrien, wir sollten uns in einer Reihe aufstellen und nicht bewegen!
Kein Bitte und Danke oder irgendwelche Information! Wir wurden nicht wie Gäste empfangen, sondern wie Verbrecher behandelt - für € 60,-- eine starkes Stück. Auch wurde uns verboten uns weiter als in Sichtweite zu bewegen, damit wir unter Kontrolle gehalten werden können. Nach ca. einer halben Stunde wurde uns dann von einer deutschsprachigen Mitarbeiterin ein Platz zum Beobachten zugewiesen - aber keinerlei Entschuldigung für das rüpelhafte und unmögliche Verhalten des anderen. Er führte sich auf wie ein kleiner Möchtegerngeneral, der jetzt endlich jemanden gefunden hat, an dem er seine Machtgelüste ausleben kann.
 
Das war aber noch nicht alles:

Als wir uns die Plastiksessel zu den Beobachtungsgeräten mitnahmen, wurde ein Teil unserer Gruppe aufgefordert, diese wieder unter die Plane zu tragen. Da uns aber vom Reisebüro ein Sessel pro Person zugesichert wurde, haben wir versucht, diesen Umstand den Mitarbeitern zu erklären.
Kurz darauf - bereits nach dem ersten Kontakt - und als alle bereits die Kameras laufen hatten, fuhr am Fuße des Hügels plötzlich ein Geländewagen vor, 2 Männer und 2 Polizisten sprangen heraus. Der deutsch sprechende bzw. schreiende Mann (in einem normalen Ton können die Mitarbeiter von Eclipse-City sichtlich nicht sprechen) rannte zwischen den Kameras herum und brüllte uns an, ob wir jetzt endlich kooperativ sein werden. Falls wir nicht sofort die Sessel hergeben, werden wir des Camps verwiesen. Als wir völlig verdutzt nicht sofort reagierten, winkte er die Polizisten näher. Es war nicht möglich auch nur mit ihm zu sprechen. Er packte die Sessel und schrie, daß er solche Leute die unkooperativ sind und die Sessel in die Wüste verschleppen hier nicht brauche (im Bild rechts mit dem Autor dieser Seite).
Wir waren nur froh, daß er keine Kameras umwarf oder in das Gesichtsfeld von Kameras lief.
Mit Polizeigewalt hat er schließlich 10 Hocker eingesammelt, die dann (nutzlos) gestapelt unter der Plane standen. Eine wahrlich tapfere Leistung gegen friedliche Menschen !
Zu solchen Mitarbeitern kann man Eclipse-City wirklich gratulieren.

Während der ganzen Zeit, die wir in dem Camp verbrachten, wurden wir ständig von Polizisten mit Ferngläsern (!!) beobachtet - China wurde also seinem Ruf als Polizeistaat vollkommen gerecht. Eine neue und ziemlich unangenehme Erfahrung für Bürger demokratischer Staaten.



All diesen Widrigkeiten zum Trotz konnten wir die Finsternis bei gutem Wetter beobachten - insbesondere während der Totalität hielten die wenigen Wolken auch deutlichen Abstand zur Sonne.
Wie schon bei der Sonnenfinsternis 2006 wurde auch diesmal meine Olympus C2100 Digitalkamera von einem Computer per USB gesteuert. Parallel dazu machte ich mit meiner neuen Minolta 5D mit einem 500 mm Teleobjektiv einige manuelle Aufnahmen. Der Computer diente diesmal nicht nur zur Steuerung der C2100 sondern sagte auch regelmäßig die noch verbleibende Zeit vor dem 3.Kontakt an. Dies war sehr nützlich zumal die Totalität nur 1 Minute 49 Sekunden dauerte. Problematisch war diesmal das genaue Timing der Aufnahmen, da ich es wegen der Polizei-Überwachung nicht wagte, die genaue Zeit per GPS zu ermitteln. Dies hatte bei den computergesteurten Aufnahmen der C2100 eine geringe Ungenauigkeit von ca. 2 Sekunden zur Folge.
 
Die linke Aufnahme zeigt das Perlenschnurphänomen beim 2.Kontakt: Die letzten Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch Mondtäler bahnen. Beiderseits davon kann man die rote Chromosphäre der Sonne sowie kleine Protuberanzen erkennen. Am rechten Mondrand zeigt sich eine Protuberanz, die zu diesem Zeitpunkt noch großteils vom Mond verdeckt ist und sich erst beim 3.Kontakt in voller Größe zeigt.
(2.Kontakt = Beginn der totalen Verfinsterung, 3.Kontakt = Ende der totalen Verfinsterung)

Das Bild rechts zeigt einige kleine Protuberanzen kurz nach dem 2.Kontakt.
Das Bild ganz rechts zeigt dass die Korona um die Protuberanzengruppe unten herum deutlich schwächer ist, was möglicherweise mit den dort herrschenden Magnetfeldern zusammenhängt -  wie genau verstehe ich aber derzeit nicht.
(Die deutlich geringere Dichte der Korona an dieser Stelle zeigt sich auf vielen Aufnahmen, vorallem auch auf jenen, die von der Olympus C2100 gemacht wurden.) 

Alle Aufnahmen entstanden mit der Minolta 5D + 500 mm f:8 Teleobjektiv bei einer Belichtungszeit von 1/1000 s (links), 1/640 s (rechts) bzw. 1/250 s (ganz rechts). 

Diese Aufnahmen entstanden in der vom Computer gesteuerten Olympus C2100.
Die Aufnahme links zeigt die innere Korona. Man kann daran sehr gut erkennen, wo die magnetischen Pole der Sonne liegen.
1/125 s, f:4.5, f=70 mm

Die rechte Aufnahme zeigt die volle Ausdehnung der Korona sowie rechts unten, ca. einen Monddurchmesser vom Mondrand entfernt, den Stern Delta Cancer mit 3.9 mag.
1/4 s, f:4.5, f=70 mm
(f=70 mm entspricht im Kleinbildformat ca. 380 mm)

Die folgenden 3 Aufnahmen zeigen den 3.Kontakt (Minolta 5D + 500 mm f:8 Teleobjektiv, 1/1000s), sie entstanden in einem zeitlichen Abstand von ca. 1 Sekunde:

Die folgende Aufnahme läßt ein wenig erahnen, welch wundervolles Naturereignis wird beobachten durften...
Sie entstand ebenfalls in der vom Computer gesteuerten Olympus C2100 (f=7 mm, f:8, 2s): Man beachte Merkur und Venus links oberhalb der verfinsterten Sonne sowie andere Finsternisbeobachter im Vordergrund (f =7mm entspricht im Kleinbild Format 38 mm Brennweite).

 

Hier finden Sie weitere Aufnahmen der Sonnenfinsternis und hier einen Reisebericht mit beeindruckenden Fotos.

Zuletzt noch einige Worte in einer anderen Sache: Wir haben im Laufe dieser 8-tägigen Reise ca. 20000 km per Flugzeug zurück gelegt. Dies hatte pro Person einen Kerosinverbrauch von ca. 800 kg und somit einen CO2 Ausstoß von ca. 2500 kg zur Folge. Einen solchen CO2 Ausstoß verursacht ein Diesel-PKW bei einem Durchschnittsverbrauch von 7 Liter Diesel / 100 km nach ca. 13000 km.


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Heinz Scsibrany´s Homepage. Letzte Änderung 7. September 2008.