| Zur Beobachtung dieser Sonnenfinsternis habe ich mich einer Reisegruppe
nach China angeschlossen. Für China als Beobachtungsort sprach die
Wetterstatistik, die in der Wüste Gobi mehr als 70 % Chance auf klaren
Himmel versprach, allerdings sollte die totale Phase der Finsternis nur
noch maximal 1 Minute 50 Sekunden dauern (im Gegesatz zu 2 Minuten 17 Sekunden
bei Novosibirsk).
Gegen China spricht (aus heutiger Sicht) die "Paranoia" der chinesischen Führung die z.B. die Verwendung von GPS-Geräten untersagt (somit sind auch Geräte zur Fahrzeug Navigation verboten!!) und die offenbar aus Angst vor Ausländern diese ständig überwachen läßt - vorallem während einer Sonnenfinsternis (vielleicht nützen die Ausländer die 2 Minuten Dunkelheit für "subversive" Tätigkeiten ...). Allerdings von diesen Schwierigkeiten ahnten wir bei Beginn der Reiseplanung noch nichts ... Die Reise ging zunächst via Amsterdam nach Chengdu und dann weiter
nach Lanzhou und schließlich nach Dunhuang im Nordwesten Chinas.
Von Dunhuang ging es dann per Bus durch eine Wüstenlandschaft nach
Jiayuguan einer großen Stadt am Ende der chinesischen Mauer und bereits
am Rand der Totalitätszone gelegen.
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Ursprünglich beabsichtigte unsere Reisegruppe die Finsternis irgendwo in der Wüste, möglichst nahe an der Zentrallinie zu beobachten. Aber 5 Tage vor der Abreise aus Europa beschloß die chinesische Führung plötzlich, daß die ausländischen Reisegruppen die Finsternis nur an 2 verschiedenen Orten beobachten durften, wo zu diesem Zweck eigene abgeriegelte Camps errichtet wurden. Da eines dieser Camps ziemlich weit von der Zentrallinie entfernt lag, was einen Verlust von ca. 30 Sekunden Totalitätsdauer bedeuted hätte, kam für uns nur das Camp (Gobi Eclipse Camp in der Karte oben) nahe der Zentrallinie in Frage, allerdings zum stolzen Eintrittspreis von 60 € pro Person. Für diesen Preis sollten dann Sonnenschirme Tische und Sesseln sowie Trinkwasser und WCs für die Finsternisbeobachter zur Verfügung stehen.
Was dann tatsächlich geboten wurde ist in dem Bild unten zu sehen:
(Dreibein-Hocker sowie einige Tische unter einem Kunstoffnetz als Sonnenschutz - gerade ausreichend für 50 Beobachter, für die angekündigten 300 Beobachter bei weitem zu wenig). Immerhin gab es Trinkwasser, Melonen und WCs. Wer sich da wohl auf Kosten der Finsternisbeobachter bereichert hat - ein chinescher Politiker oder der Betreiber des Camps "Eclipse-City" oder beide ?
Aufgrund unserer im Folgenden beschriebenen Erfahrungen mit "Eclipse-City" muß ich jedem Finsternisbeobachter raten, um diesen Betreiber von Sonnenfinsternis-Camps einen weiten Bogen zu machen:
Als wir im Camp ankamen und uns auf einem Hügel positionierten,
kam plötzlich ein Chinese gerannt, der uns auf Englisch beschimpfte
und zum sofortigen verlassen des Hügels aufforderte - schreiend und
beleidigend. Als wir völlig überrascht über diesen "netten
Empfang" nicht sofort reagierten wurden wir sofort mit der Polizei bedroht.
Unter der kleinen aufgebauten Plane wurden wir wieder angeschrien,
wir sollten uns in einer Reihe aufstellen und nicht bewegen!
Kein Bitte und Danke oder irgendwelche Information! Wir wurden nicht
wie Gäste empfangen, sondern wie Verbrecher behandelt - für €
60,-- eine starkes Stück. Auch wurde uns verboten uns weiter als in
Sichtweite zu bewegen, damit wir unter Kontrolle gehalten werden können.
Nach ca. einer halben Stunde wurde uns dann von einer deutschsprachigen
Mitarbeiterin ein Platz zum Beobachten zugewiesen - aber keinerlei Entschuldigung
für das rüpelhafte und unmögliche Verhalten des anderen.
Er führte sich auf wie ein kleiner Möchtegerngeneral, der jetzt
endlich jemanden gefunden hat, an dem er seine Machtgelüste ausleben
kann.
| Das war aber noch nicht alles:
Als wir uns die Plastiksessel zu den Beobachtungsgeräten mitnahmen,
wurde ein Teil unserer Gruppe aufgefordert, diese wieder unter die Plane
zu tragen. Da uns aber vom Reisebüro ein Sessel pro Person zugesichert
wurde, haben wir versucht, diesen Umstand den Mitarbeitern zu erklären.
Während der ganzen Zeit, die wir in dem Camp verbrachten, wurden wir ständig von Polizisten mit Ferngläsern (!!) beobachtet - China wurde also seinem Ruf als Polizeistaat vollkommen gerecht. Eine neue und ziemlich unangenehme Erfahrung für Bürger demokratischer Staaten. |
| Die linke Aufnahme zeigt das Perlenschnurphänomen beim 2.Kontakt:
Die letzten Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch Mondtäler bahnen.
Beiderseits davon kann man die rote Chromosphäre der Sonne sowie kleine
Protuberanzen erkennen. Am rechten Mondrand zeigt sich eine Protuberanz,
die zu diesem Zeitpunkt noch großteils vom Mond verdeckt ist und
sich erst beim 3.Kontakt in voller Größe zeigt.
(2.Kontakt = Beginn der totalen Verfinsterung, 3.Kontakt = Ende der totalen Verfinsterung) Das Bild rechts zeigt einige kleine Protuberanzen kurz nach dem 2.Kontakt.
Alle Aufnahmen entstanden mit der Minolta 5D + 500 mm f:8 Teleobjektiv bei einer Belichtungszeit von 1/1000 s (links), 1/640 s (rechts) bzw. 1/250 s (ganz rechts). |
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Diese Aufnahmen entstanden in der vom Computer gesteuerten Olympus
C2100.
Die Aufnahme links zeigt die innere Korona. Man kann daran sehr gut erkennen, wo die magnetischen Pole der Sonne liegen. 1/125 s, f:4.5, f=70 mm Die rechte Aufnahme zeigt die volle Ausdehnung der Korona sowie rechts
unten, ca. einen Monddurchmesser vom Mondrand entfernt, den Stern Delta
Cancer mit 3.9 mag.
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Die folgenden 3 Aufnahmen zeigen den 3.Kontakt (Minolta 5D + 500 mm f:8 Teleobjektiv, 1/1000s), sie entstanden in einem zeitlichen Abstand von ca. 1 Sekunde:
Die folgende Aufnahme läßt ein wenig erahnen, welch wundervolles
Naturereignis wird beobachten durften...
Sie entstand ebenfalls in der vom Computer gesteuerten Olympus C2100
(f=7 mm, f:8, 2s): Man beachte Merkur und Venus links oberhalb der verfinsterten
Sonne sowie andere Finsternisbeobachter im Vordergrund (f =7mm entspricht
im Kleinbild Format 38 mm Brennweite).
Hier finden Sie weitere Aufnahmen der Sonnenfinsternis und hier einen Reisebericht mit beeindruckenden Fotos.
Zuletzt noch einige Worte in einer anderen Sache: Wir haben im Laufe
dieser 8-tägigen Reise ca. 20000 km per Flugzeug zurück gelegt.
Dies hatte pro Person einen Kerosinverbrauch von ca. 800 kg und somit einen
CO2 Ausstoß von ca. 2500 kg zur Folge. Einen solchen CO2
Ausstoß verursacht ein Diesel-PKW bei einem Durchschnittsverbrauch
von 7 Liter Diesel / 100 km nach ca. 13000 km.